119092017verkleinert 20092017 Fertig1 Fertig11 Fertig2 Fertig3 Fertig6 Fertig7 Fertig9 fertig1

 Kristallationskern

DAS ZILLERTAL

Das Zillertal ist ein süd-nord-orientiertes Tal, welches rund 40 km östlich von Innsbruck in das Inntal mündet. Aufgeteilt ist das rd. 1.100 km2 große Tal in 25 Gemeinden, welche rd. 36.000 Menschen beheimaten. Besonders markant ist die Talverengung im Bereich der Gemeinden Aschau i. Z. und Zell a. Z., welche auch die Grenze zwischen dem Vorderen und dem Hinteren Zillertal darstellt. Letztgenannte Gemeinde stellt weiters das Wirtschafts- und Verwaltungszentrum des Tals dar.
Wirft man den Blick über das rd. 32 km lange Tal hinaus, so fällt vor allem die Situierung der Ortskerne auf den Schwemmkegeln der Seitenbäche auf, wobei mittlerweile auch der Talboden – vor allem durch Gewerbe – besiedelt wird.
Wirtschaftlich ist das Zillertal vom Tourismus (7,2 Mio. Nächtigungen) und hier vor allem vom Wintertourismus (4,4 Mio. Nächtigungen) geprägt. Waren Mitte des 20. Jahrhunderts lediglich einige wenige Aufstiegshilfen errichtet, so finden sich heute rd. 150 Lifte und Seilbahnen im Tal. Diese sowie rd. 51.000 Gästebetten machen das Zillertal zu einer „DER“ Tourismusregionen Tirols.

 

  DSC2420

 

PROJEKTGEBIET VORDERES ZILLERTAL

Mit einer Fläche von rd. 233 km2 und einer Länge von rd. 20 km erstreckt sich das Vordere Zillertal von der Gemeinde Strass i. Z. im Norden bis zur Gemeinde Aschau i. Z. im Süden und ist Heimat für rund 15.600 Menschen.

Wie generell im Tal gilt auch im Vorderen Zillertal der Tourismus als Wirtschaftsfaktor Nummer 1. So verzeichnet die Region jährlich rd. 1,9 Mio. Nächtigungen mit stark steigender Tendenz: Für das Jahr 2050 wird mit rd. 2,3 Mio. Nächtigungen pro Jahr gerechnet.
In Verbindung mit einem prognostizierten Bevölkerungswachstum von rd. 13% ergeben sich somit für die Kommunen neue Herausforderungen in der Infrastruktur, welche es bereits jetzt anzugehen gilt.

Ein Paradebeispiel hierfür ist der Wasserverband Aschau-Kaltenbach-Ried, welcher die Wasserversorgung der Region langfristig sichern soll und somit eine wichtige Grundlage für eine positive Entwicklung des Tals spielt.

 

 vorderesZillertal

Gemeinden im Projektgebiet vorderes Zillertal

 

HERAUSFORDERUNG
Die Bereitstellung von qualitativ einwandfreiem Wasser in stets ausreichender Menge ist die Aufgabe einer jeden Wasserversorgung. Erst bei einem Wassermangel wird einem bewusst, welche Folgen damit einhergehen und man lernt Wasser wieder zu schätzen und ausreichend sorgsam damit umzugehen.


Wasserversorgung ist Achillesferse für das „aktivste Tal der Welt“
Auch im Zillertal gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme in der Wasserver-sorgung. So berichtet zum Beispiel der leidgeprüfte Bürgermeister der Gemeinde Kaltenbach aus dem Jahr 1998, was ein kompletter Systemausfall für eine Tourismusdestination bedeuten kann. „Ausgerechnet in der Weihnachtszeit bei voll belegten Hotels einen verzweifelten Hilferuf eines Hoteliers zu erhalten, dass ein großes 4-Sterne-Hotel nicht mehr mit Trinkwasser versorgt werde, wünsche ich keiner Gemeinde.“ So hätten sich als erstes die Gäste in den obersten Etagen beschwert, dass es weder Wasser zum Zähneputzen noch zum Duschen nach einem langen Schitag gäbe. Eine sofort durchgeführte Bestandsanalyse brachte ein erschreckendes Bild. So musste festgestellt werden, dass die Hochbehälter – aufgrund von Leckagen im Netz – leer waren und ein kompletter Systemausfall kurz bevor stand. Dem Bürgermeister blieb nichts anderes übrig, als in seiner Verzweiflung in der Nachbargemeinde um die Versorgung mit Trinkwasser mittels Tankwagen anzusuchen, um eine Gefährdung seiner Bevölkerung abzuwenden.
Um nicht fahrlässig zu handeln, wurde umgehend – nach überstandener Notlage und unter Aufbringung immenser finanzieller Mittel – eine umfangreiche Sanierung des Versorgungsnetzes sowie der Bau eines größeren Hochbehälters durchgeführt.

Abgesehen von derartigen Einzelereignissen stellen die stetig steigende Bevölkerungszahl sowie starke Zuwä-chse im Tourismus die Wasserversor-ger im Zillertal, dem nach Eigendefinition „aktivsten Tal der Welt“, vor große Herausforderungen.

 

Nchtigungsentwicklung
Prognostizierte Nächtigungsentwicklung im Vorderen Zillertal (Quelle: Statistik Austria)



Auch wenn in einem Großteil der Gemeinden die meiste Zeit des Jahres ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht, gab bzw. gibt es immer wieder Engpässe in der Wasserversorgung. Diese treten vor allem in den Wintermonaten auf, wo den geringen Quellschüttungen ein hoher Trinkwasserbedarf der Tourismusorte gegenübersteht.

Aus diesem Grund wurde bereits in den 1980er Jahren die Gründung eines Wasserverbands im Vorderen Zillertal angedacht, um die vorhandenen Wasserressourcen gemeinsam erkunden und erschließen zu können. Jedoch scheiterten diese ersten Pläne und die Gemeinden konzentrierten sich auf die Weiterentwicklung des gemeinsamen Abwasserverbands. Bezüglich Trinkwasserversorgung hingegen lag der Fokus weiterhin auf eigenen kommunalen Quellerschließungsprojekten.

Bevlkerungsentwicklung

Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung im Vorderen Zillertal (Quelle: Statistik Austria)

  

SYSTEMANALYSE
2010 wurde die Idee eines zukunftsorientierten Wasservorsorgekonzepts vom Planungsverband Zillertal wieder aufgenommen.


Gesamtheitliche, systematische Analyse
In einer auch vom Land Tirol unterstützten Machbarkeitsstudie wurde die Logistik der Wasserversorgung in der Region durch das auf Ressourcenbewirtschaftungsfragen spezialisierte Unternehmen Wasser Tirol – Wasserdienstleistungs-GmbH nach dem logistischen Systemansatz eines zukunftsorientierten Wasserwirtschaftskonzepts analysiert und
· der Wasserbedarf,
· die zur Verfügung stehenden Ressourcen und
· die derzeitige Struktur der Bedarfsdeckung
erhoben.


Bei der Gegenüberstellung des zukünftig erwarteten Bedarfs mit den derzeit genutzten Ressourcen stellte sich heraus, dass
· die in den Gemeinden verfügbaren Quellen den aktuellen Bedarf zu Zeiten geringer Schüttung und hohem Bedarf in der Regel zumeist noch decken,
· der Spielraum der Gemeinden für die zukünftige Bedarfsdeckung sehr gering und begrenzt ist,
· die Gemeinden zumeist nicht über ein zweites Standbein verfügen,
· die Ressourcen der Region schon sehr stark genutzt sind und potenziell nutzbare, qualitativ hochwertige Ressourcen lokal sehr ungleich zur Verfügung stehen.


Die objektiv und ergebnisoffen durchgeführte Analyse verschiedener Varianten zur Sicherstellung der künftigen Wasserversorgung ergab, dass
· kleinräumige Notverbindungen zwischen einzelnen Gemeinden nicht als vollwertiges, zweites Standbein für den Notfall geeignet sind,
· qualitativ hochwertige Wasserressourcen gemeinsam besser erschlossen werden können,
· ein Wasserverbundsystem als Rückgrat und Ergänzung der Gemeinde-Wasserversorgungsanlagen die optimale Lösung darstellt.

 

DAS WASSERVERBUNDSYSTEM
Wasserverbundsystem als Rückgrat für lokale Wasserversorgung


Das Wasserverbundsystem basiert auf einer Versorgungsleitung, welche im Talboden zwischen Aschau i. Z. und Strass i. Z. verläuft. Entlang dieser Leitung (PN25, DN250, geplante Kapazität 50 l/s) sind Einspeisepunkte konzipiert, an welchen das Wasser neuer, gemeinsam gefasster Quellen in das Verbundsystem eingeleitet und auf die Gemeinden verteilt werden kann. Von den Entnahmepunkten wird das Wasser anschließend über eine Transportleitung direkt in den Hochbehälter der jeweiligen Gemeinde geleitet und dort in das Netz eingespeist.
Das in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht als langfristig beste Lösung
identifizierte Wasserverbundsystem wurde so konzipiert, dass es – abgestimmt auf andere Baumaßnahmen in den Gemeinden – auch über einen längeren Zeitraum modulartig herstellbar ist. Darüber hinaus wurde die Frage der Mischung verschiedenartiger Wässer der Region gelöst und zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten in das hintere Zillertal sowie in das Inntal vorgesehen.

 Schemaneu

 

Schema des Verbundsystems

 

VOM GRUNDSATZBESCHLUSS ZUR GRÜNDUNG
Als Kümmerer für die Umsetzung wurde die Rechtsform eines Wasserverbandes als geeignetste evaluiert. In den zehn Gemeinden der Region wurde daraufhin ein Grundsatzbeschluss zur gemeinsamen weiteren Entwicklung des Projektes gefällt. Neben einer Willensbekundung bedarf es bei einem derartigen Vorhaben jedoch vor allem auch tatkräftiger und risikobereiter Umsetzer, musste doch auch mit Gegenwind und Vorbehalten seitens der Bevölkerung gerechnet werden.
So galt es, durch zahlreiche intensive Aufklärungen und Diskussionen mit den Gemeinderäten die mentalen Gemeindegrenzen aufzubrechen und die Bedeutung und Vorteile einer gesamthaften Betrachtung des Problems hervorzuheben. Dabei bedurfte es vor allem in jenen Gemeinden an besonderer Überzeugungsarbeit, in welchen Wasserressourcen gemeinsam erschlossen und auf die Mitgliedsgemeinden des Verbands aufgeteilt werden sollen.

Drei Pioniergemeinden wagen den ersten Schritt
Um die Arbeiten am Gesamtprojekt voranzutreiben, beschlossen die Gemeinden Aschau i. Z., Kaltenbach und Ried i. Z., sich zusammenzutun und nach mehrjähriger Vorbereitungszeit den „Wasserverband Aschau-Kaltenbach-Ried“ als Keimzelle eines zukünftigen „Wasserverbands Vorderes Zillertal“ zu gründen. So wurde bereits bei Festlegung der Satzung darauf geachtet, dass diese eine relativ einfache Erweiterung des Verbands um weitere Mitgliedsgemeinden ermöglicht. Parallel dazu wurde mit der Planungsphase begonnen, sodass im Jahr der offiziellen Verbandsgründung 2015 mit den ersten Bauarbeiten begonnen werden konnte.

 

Foto Pressekonferenz

Pressekonferenz in Aschau

 

UMSETZUNG

Umfangreiche Vorerhebungen

Bevor jedoch der erste Bagger anrollen konnte, waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. So bedurfte es – neben unzähligen Abstimmungen mit Behörden und Grundeigentümern sowie diversen Gutachten und Projektierungen – einer umfassenden Analyse der neu zu erschließenden Quellen. In zahlreichen quantitativen und qualitativen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Wässer der unteren Schüttungsmessung an der unteren Kogelquelle II.

Kogelquellen den chemischen und bakteriologischen Anforderungen entsprechen und mit einer Schüttung von bis zu 13 l/s ein ideales Rückgrat der Wasserversorgung darstellen.

 

Schttungsmessungen

Schüttungsmessungen an der unteren Kogelquelle II

Wasserverbundleitung

2015 wurde – gemäß der Gesamtkonzeption – zwischen Aschau i. Z. und Kaltenbach ein rd. zwei Kilometer langes Teilstück der Verbundleitung errichtet. Die Leitung beginnt in einem Verteilerschacht in Aschau i. Z., wo sie bei Bedarf an das Ortsnetz angekoppelt werden kann. Von dort verläuft sie entlang des Zillers nach Kaltenbach und mündet dort über eine Entnahmeleitung in das Netz der Gemeinde Kaltenbach. Ein weiteres Teilstück der Verbundleitung wurde entlang des Zillers zwischen Kaltenbach und Ried i. Z. errichtet. Somit wird nun ein gegenseitiges „Aushelfen“ der drei Gemeinden mit Trinkwasser im Bedarfsfall ermöglicht. Modernste Mess-und Steuerungstechnik erlaubt es dabei, das vorhandene Wasser – im Notfall – bedarfsorientiert auf die drei Gemeinden aufzuteilen.

 

SpatenstichNeu

Spatenstich zum Bau der Verbundleitung

 

VerlegungVerbundleitung

Verlegung Verbundleitung

 

Quellerschließung Distelberg

Des Weiteren wurde 2016 mit der Erschließung neuer Ressourcen am Distelberg in der Gemeinde Aschau i. Z. begonnen, von wo aus die Wässer der unteren Kogelquellen ins Tal abgeleitet und den Gemeinden des Wasserverbands ab 2017 zur Verfügung stehen werden. Diese zusätzliche Trinkwassererschließung stellt somit ein permanentes Rückgrat der drei gemeindeeigenen Wasserversorgungen dar.

 DSC 0014

Quellerschließung Kogelquelle

 

Saubere Energie aus Trinkwasserkraftwerken

Um auch die Energie des Wassers bestmöglich nutzen zu können, durchströmt dieses auf seinem Weg ins Tal zwei Trinkwasserkraftwerke, welche in zwei Hochbehälter integriert sind und zusammen ein Jahresarbeitsvermögen von rd. 266 MWh aufweisen.

 DSCN8626

Gemeindekraftwerk Aschau II

Lückenschluss

Zusätzlich wurde 2016 mit den Vorarbeiten für den rd. zwei Kilometer langen Lückenschluss zwischen den zwei bereits errichteten Teilstücken der Verbundleitung begonnen. Dieser soll 2017 vollzogen werden und stellt – gemeinsam mit den Transportleitungen zu den Hochbehältern in Kaltenbach und Ried i. Z. – den vorläufigen Abschluss der Bautätigkeiten dieses Wasserverbands dar. Damit sind auch die Erweiterungsmöglichkeiten für den Wasserverbund Vorderes Zillertal geschaffen.

 Schemaskizze

Schema Wasservverbund des Wasserverbandes Aschau-Kaltenbach-Ried

 

Schacht

Montage Schacht 

 

EINBINDUNG UND AKZEPTANZ DER BEVÖLKERUNG

Porbebetrieb

Erster Probebetrieb der Notversorgung


Eine der wesentlichen Aufgaben – neben der technischen und wirtschaftlichen Projektierung und konkreten Umsetzung – war es, die Gemeindegrenzen, Barrieren und Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung zu überwinden und somit ein gemeindeübergreifendes ‚Wir‘-Gefühl zu schaffen.


10 Cent für Deine Sicherheit
So wurde im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen und Pressemitteilungen sowie mittels Informationsbroschüren die Bevölkerung umfassend über die Beweggründe und die vielen Vorteile des geplanten Verbunds, aber auch über die Finanzierung über einen zusätzlichen „Vorsorgebeitrag“ von 10 Cent/m3 informiert. Dadurch konnte weithin eine positive Akzeptanz in der Bevölkerung erreicht werden, was dem Vorhaben letzten Endes unter anderem auch bei Fragen bezüglich des Leitungsverlaufs über Privatgrundstücke zu Gute kam.

Erste Bewährungsprobe mit Notversorgung von Ried i. Z. bestanden!
Obwohl die Verbundleitung zwischen den drei Gemeinden des Wasserverbands Aschau-Kaltenbach-Ried offiziell noch nicht fertiggestellt ist, konnte sie Ende 2015 bereits ihre erste Bewährungsprobe bestehen. Aufgrund von zwei großen, jedoch nicht unmittelbar erkennbaren Wasseraustritten bei Hausanschlüssen sank der Wasserstand im Hochbehälter der Gemeinde Ried i. Z. an den Weihnachtsfeiertagen dramatisch ab und der Wasserbedarf der Gemeinde konnte durch die eigenen Quellen nicht mehr gedeckt werden. Da kam der Umstand gerade recht, dass die Verbundleitung kurz vor den Weihnachtsfeiertagen zusammengeschlossen und ein erster Probebetrieb absolviert werden konnte. Nach einer kurzen, unbürokratischen Abstimmung der drei Bürgermeister und ihrer Wassermeister wurde die Verbundleitung in Betrieb genommen und so die Gemeinde Ried i. Z. innerhalb kürzester Zeit mit Wasser aus den
Gemeinden Kaltenbach und Aschau i. Z. versorgt. Damit konnte rasch und ohne größere Probleme die Zeit bis zum Auffinden und Schließen der Lecks überbrückt werden.
Anlässlich eines Ortsaugenscheins präsentierten die drei Bürgermeister und der Projektentwickler stolz die sonst für die Bürger kaum sichtbaren, unterirdischen Anlagen, mit denen dieser Notfall behoben werden konnte, ohne die Wasserversorgung der Haushalte und Betriebe zu beeinträchtigen.

 

 

INNOVATIVES WASSER-DATENMANAGEMENT
Auch die drei Gemeinden machen ihre Hausaufgaben


Neben der Erschließung neuer Ressourcen bedarf es auch eines umsichtigen Umgangs mit dem bereits jetzt genutzten Wasservorkommen. Um auch hier eine Vorreiterrolle einnehmen zu können, haben die drei Mitglieder des Wasserverbands Aschau-Kaltenbach-Ried sich dazu entschlossen, mit Hilfe eines innovativen Wasserdatenmana-gements die gemeindeeigene Wasserversorgungsanlage genauer unter die Lupe zu nehmen.
Dies ermöglicht den Gemeinden einerseits einen detaillierten Einblick in ihre Wasserversorgungsanlagen und andererseits eine nachhaltige Bewirtschaftung der vorhandenen
Ressourcen. Auch lassen sich durch die gewonnenen Erkenntnisse mögliche Entwicklungen frühzeitig erkennen und so etwaige Risiken im Betrieb (z.B. Leckagen) minimieren. Des Weiteren spielen die gewonnenen Informationen eine fundamentale Planungsgrundlage für zukünftige Projekte in der Trinkwasserversorgung.

 

 Wasserdatenmanagement

Mittels Datenmanagement detektierte Leckage im Versorgungsnetz

 

NACHHALTIGE RESSOURCENBEWIRTSCHAFTUNG
Die Nachhaltigkeit des Gesamtkonzeptes – das heißt die Ausgeglichenheit in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht – ist dem Wasserverband ein besonderes Anliegen.


Ökologie
So wird hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen darauf geachtet, dass für die Wasserentnahmen an den Kogelquellen Ersatzmaßnahmen getroffen werden, um hydrologische und ökologische Verschlechterungen im Vorfluter der Kogelquellen zu vermeiden. Hierfür wird Wasser vom größeren Aufenfelderbach in den Vorfluter eingeleitet. Zusätzlich durchströmt das den Kogelquellen entnommene Wasser auf dem Weg ins Tal zwei Trinkwasserkraftwerke, in denen klima- und umweltfreundlich Strom erzeugt wird, der als Ökostrom in das Netz des lokalen Energieversorgers eingespeist wird.

Aufenfelderbach

Aufenfelderbach


Ökonomie

In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit wurde ein Finanzierungsweg ausgearbeitet, welcher wohl als einzigartig bezeichnet werden kann: Durch das Konzept des sozialverträglichen Vorsorgebeitrages trägt die Bevölkerung – bei nur geringer Mehrbelastung – direkt zur Finanzierung des Projekts und somit zur Entlastung der öffentlichen Kassen bei. Eine weitere langfristige Entlastung erfahren diese durch die Kräftebündelung der Verbandsmitglieder, entfallen dadurch doch kostspielige gemeindeeigene Quellerschließungsprojekte. Weiters wurde mit dem Land Tirol ein bedeutender Unterstützer gefunden, welcher die Relevanz des Projekts für die nachhaltige Entwicklung der Region erkannt hat und mit einem bedeutenden Betrag fördert. Auch führt die energetische Nutzung des Wassers mittels zweier Trinkwasserkraftwerke zu regelmäßigen Einnahmen.


Soziales
Neben den ökologischen und ökonomischen Aspekten bedarf solch ein zukunftsorientiertes Projekt auch einer Sozialverträglichkeit. Durch den regionalen Konzeptansatz arbeiten nunmehr die Gemeinden verstärkt zusammen und ziehen hinsichtlich einer gesicherten Trinkwasserversorgung an einem Strang. Die Bestandsaufnahme der lokalen Wasserversorgungen zeigte die Stärken und Grenzen der jeweiligen Versorgungsinfrastruktur, so dass die Bevölkerung hinsichtlich etwaiger Versorgungsausfälle und Risiken sensibilisiert werden konnte. Hierdurch wuchs in der Bevölkerung das Verständnis bezüglich der jeweiligen Anfordernisse und Bedürfnisse der Nachbarn.

 

ZUSAMMENFASSUNG
Wasser als die wichtigste Ressource Tirols bestimmt alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Der Wert unseres Wassers als Grundnahrungsmittel, Energiespender und Tourismusfaktor Nr. 1 ist unermesslich und zeigt sich vor allem auch im „aktivsten Tal der Welt“ – dem Zillertal.


Erste Schritte
Auch wenn im Zillertal aktuell die meiste Zeit des Jahres noch ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht, kommt es schon jetzt in den Wintermonaten immer wieder zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung. Aus diesem Grund haben bereits vor rd. 20 Jahren weitsichtige Gemeindevertreter den Grundstein für eine nachhaltige regionale Wasserbewirtschaftung gelegt. Um diese Idee weiter voranzutreiben, wurde die Gründung eines Wasserverbands angedacht und forciert. So wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, in deren Zuge der Wasserbedarf, die zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie die derzeitige Struktur der Bedarfsdeckung erhoben wurden.


Gesamthaftes System
Als Ergebnis stellte sich ein modular aufgebautes Wasserverbundsystem als Rückgrat und Ergänzung der Gemeinde-Wasserversorgungsanlagen als optimale Lösung heraus. Das Wasserverbundsystem basiert auf einer Versorgungsleitung von Aschau i. Z. bis Strass i. Z. Entlang dieser Leitung sind Entnahmepunkte konzipiert, an welchen das Wasser aus der Verbundleitung direkt in die Hochbehälter der Gemeinden geleitet und von dort in die Versorgungsnetze eingespeist wird. Versorgt wird das System über gemeinsam neu erschlossene Wasservorkommen, welche über Einspeisepunkte in die Verbundleitung eingeleitet und anschließend auf die Mitgliedsgemeinden verteilt werden.

 

InnenlebenSchacht

Hauptspeis- und Entnahmeschacht


Gemeinden ziehen an einem Strang
Bevor jedoch das Vorhaben weiter konkretisiert werden konnte, bedurfte es noch umfassender Überzeugungsarbeit. Die zahlreichen intensiven Aufklärungen und Diskussionen mündeten schließlich in einem Grundsatzbeschluss von zehn Gemeinden, sich an einem regionalen Wasserverband zu beteiligen. Vorreiter dabei waren die drei Gemeinden Aschau i. Z., Kaltenbach und Ried i. Z., die sich zum „Wasserverband Aschau-Kaltenbach-Ried“ zusammengetan haben, welcher als Keimzelle eines zukünftigen „Wasserverbands Vorderes Zillertal“ fungieren soll.


Projektrealisierung und erste Bewährungsprobe
Nach mehrjährigen umfangreichen Vorerhebungen wurde 2015 vom Wasserverband Aschau-Kaltenbach-Ried mit der Errichtung zweier Teilstücke der Verbundleitung gemäß Gesamtkonzept begonnen. Diese Teilstücke verbinden die Trinkwassernetze der drei Gemeinden und ermöglichen so ein gegenseitiges „Aushelfen“ im Bedarfsfall, wie dies bereits zu Weihnachten 2015 notwendig war.

Zusätzlich wurde 2016 mit der Erschließung der unteren Kogelquellen begonnen, deren Wasser im Tal in die Verbundleitung eingespeist und anschließend auf die drei Gemeinden des Wasserverbands aufgeteilt wird. Um das Wasser auch energetisch zu nutzen, durchfließt es auf seinem Weg ins Tal zwei Trinkwasserkraftwerke. Den vorläufigen Abschluss der Bauarbeiten bildet ein rd. zwei Kilometer langes Zwischenstück der Verbundleitung, welches – gemeinsam mit den Transportleitungen zu den Hochbehältern in Kaltenbach und Ried i. Z. – in den kommenden Jahren errichtet werden soll.
Neben den technischen und finanziellen Aspekten liegt der Fokus vor allem auf einer nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung. So wird – um eine ökologische und hydrologische Verschlechterung im Vorfluter der Kogelquellen zu vermeiden – das entnommene Trinkwasser durch Wasser vom nahegelegenen Aufenfelderbach ersetzt. Zusätzlich erzeugen die beiden Trinkwasserkraftwerke klima- und umweltfreundlichen Strom, welcher auch zu regelmäßigen Einnahmen für den Wasserverband führt.


Nachhaltigkeit ist oberstes Gebot
Neben den ökologischen Aspekten bedarf solch ein zukunftsorientiertes Projekt auch einer sozialverträglichen Finanzierung, wie sie im Konzept des Vorsorgebeitrags gefunden wurde. So trägt die Bevölkerung – bei nur geringen Mehrbelastungen – direkt zur Finanzierung des Projekts und somit zu Entlastung der öffentlichen Kassen bei.
Der Wasserverband Aschau-Kaltenbach-Ried gilt somit als Paradebeispiel dafür, wie in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen Synergien gemeindeübergreifend ideal genutzt werden können. Durch die Bildung des Verbands konnte die Bevölkerung hinsichtlich etwaiger Versorgungsausfälle und Risiken sensibilisiert und ein neues regionales „Wir“-Gefühl zum Keimen gebracht werden.


Für die Zukunft bestens gerüstet
Das modular aufgebaute Gesamtkonzept erlaubt und strebt weitere Anschlüsse von Gemeinden an das nun realisierte Projekt an. So kann sich aus dem Kristallisationskern Aschau-Kaltenbach-Ried nach und nach der „Wasserverband Vorderes Zillertal“ entwickeln. Einer weiteren dynamischen Entwicklung des Wirtschafts- und Lebensraumes im Vorderen Zillertal steht somit nichts mehr im Wege.

 

 Steuerungskasten

 Steuerungssystem

360Grad aschau neu

Wasserverband Aschau Kaltenbach Ried

e5 button

facebook
Öffnungszeiten:
Mo.:-Do.:
8:00-12:00
13:00-17:00
Fr.:
8:00-12:00

Gemeinde Aschau i. Z.
6274 Aschau Dorfplatz 1
Telefon: 05282/2911
Fax: 05282/2911-17
gemeinde@aschauzillertal.tirol.gv.at